Immobilienmarkt 2045: Nicht nur Trendstädte boomen

Bis zum Jahr 2045 wird in Deutschland ein Bevölkerungsanstieg von bis zu 85 Millionen Einwohnern prognostiziert. Der Nachfragedruck in den beliebtesten Gebieten wird steigen. Immerhin entfallen auf die Top 10-Gebiete insgesamt 29 Prozent aller Wohnungsnachfragen. Wie Peter Haueisen als Projekt der Allianz-Baufinanzierung und Auftraggeber der Trendstudie verlauten ließ, werden angespannte Wohnungsmärkte in den nächsten Jahrzehnten vermutlich nur wenig entlastet. Weil bereits bis zum Jahr 2030 etwa zwei Millionen neuer Haushalte entstehen werden, mangelt es zunehmend an Immobilien in gefragten Regionen.

Die Kluft zwischen Boomstädten und unbeliebten Gebieten erhöht sich

Schon jetzt gehen Immobilienexperten davon aus, dass die Nachfragekluft in beliebten sowie weniger beliebten Wohngebieten noch stärker auseinander driften wird. Wissenschaftler gehen vom größten Haushaltswachstum für das Bayerische Oberland sowie den Raum München mit Anteilen von jeweils 35 Prozent aus. Auf den nachfolgenden Positionen reihen sich Ingolstadt, das Südliche Oberrhein-Gebiet sowie Oldenburg und Umgebung ein. Ein deutlicher Rückgang an Haushalten wird für das Areal um Bitterfeld-Wittenberg mit einem Minus von 24 Prozent prognostiziert. Ein Verlust von jeweils 18 Prozent erscheint für die Gebiete Mecklenburg-Seenplatte, Südsachsen, Oberlausitz-Niederschlesien sowie Ostthüringen wahrscheinlich. In den alten Bundesländern droht ein eklatanter Rückgang vermutlich im Saarland sowie Nordhessen. Als Maßnahmen könnten dieser Entwicklung neue Strategien für regionale Wohnungsmärkte sowie Kooperationen zwischen Stadt und Umland entgegenwirken.

Positive Entwicklung trotz schlechter Wirtschaftssituation in Görlitz

Ein positives Beispiel für eine gute Entwicklung ist die Stadt Görlitz. Trotz hoher Arbeitslosigkeit und einer angespannten Wirtschaftssituation ist die Nachfrage nach Immobilien groß. Der Grund hierfür ist das Interesse von Rentnern aus dem gesamten Bundesgebiet, die vor Ort ihren Lebensabend verbringen möchten. Ein weiterer Trend ist dahingehend erkennbar, dass bei unterschiedlichen Altersgruppen verschiedene räumliche Wanderungsmuster vorliegen. Leben Menschen bis zum 30. Lebensjahr überwiegend in Universitätsstädten, wird das Umland von größeren Städten häufig von 30- bis 50-jährigen bewohnt. Ist ausreichend Infrastruktur vorhanden, sind Naturlandschaften wie Küstengebiete oder das Alpenvorland insbesondere für Einwohner ab 65 Jahren attraktiv.

Angespannte Immobilienmärkte durch zunehmende Singlehaushalte

Aufgrund des Klimawandels und internationaler Krisen werden wirtschaftsstarke Regionen nach wie vor dicht besiedelt sein. Vermutlich werden sich die Zustände in gefragten Regionen aufgrund der stetig voranschreitenden Singularisierung noch verstärken. Für regionale Wohnungsmärkte ist die Binnenwanderung wesentlich bedeutungsvoller als die Zuwanderung. Der Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre verrät, dass alljährlich knapp vier Millionen Menschen über Kreisgrenzen hinaus umgezogen sind. Etwa 73 Prozent dieser Veränderungen sind auf die Binnenwanderung zurückzuführen. In strukturschwachen Gebieten müsse man davon ausgehen, dass ein Großteil der Bevölkerung verloren geht. Nur in jedem zehnten Gebiet Deutschlands wird in 30 Jahren ein ausgeglichener Wohnungsmarkt vorhanden sein.