Studie: Trend geht zur Mietwohnung

Zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise galt der Erwerb von Immobilien als eine der wichtigsten Geldanlagen. Diese Tendenz bestätigen auch die Zahlen in Deutschland: denn in den vergangenen fünf Jahren sind überdurchschnittlich viele Deutsche in ihr Eigenheim gezogen. Etwa 45 Prozent aller Deutschen nutzen ein Eigenheim zu eigenen Wohnzwecken. Im europaweiten Vergleich bilden Immobilienbesitzer aus Deutschland damit das Schlusslicht. Denn dem Resultat einer Untersuchung des Verbändebündnisses Wohnperspektive Eigentum zufolge leben 70 Prozent aller Europäer in ihrem Eigenheim.

Je angespannter der Immobilienmarkt, desto weniger wird gekauft

Insbesondere in Regionen mit einem angespannten Immobilienmarkt können sich die meisten Menschen keine Kaufobjekte leisten. Wer in Bundesländern wie Bayern oder Hessen in den eigenen vier Wänden leben möchte, muss viel Kapital mitbringen. Deshalb herrscht in Großstädten bzw. in kreisfreien Städten deutschlandweit eine Wohneigentumsquote von 27 Prozent vor. Besonders deutlich ist der Trend bei 30- bis 40-jährigen zu verzeichnen. Ausbildungszeiten dauern länger an. Der Einstieg in die Erwerbstätigkeit steht immer häufiger unter einem unsicheren Stern. Wohneigentum können sich die Menschen nicht leisten. An diesem Trend ändern auch die steigenden Zahlen an Schenkungen und Erbschaften nichts.

Zu wenig Raum für Baugrundstücke, zu viele Mietwohnungen

Weiterhin führen Experten die massenhaften Zerstörungen von Wohnraum während der Kriegszeit an. Danach wurden vor allem neue Mietwohnungen erbaut. Hinzu kommt die dichte Besiedlung, die nur wenig Raum für die Erbauung neuer Eigenheime lässt. Ein weiterer Faktor ist das hohe Niveau an Mietwohnungen, das hierzulande vorherrscht. Man muss nicht unbedingt ein Eigenheim besitzen, um gut zu wohnen. Auch der Schutz von Mietern in Deutschland ist positiv erwähnenswert. Politische Entscheidungen werden häufig zugunsten der Mieter getroffen: aktuelles Beispiel – die Mietpreisbremse.

Käufer müssen hingegen immer tiefer in die Tasche greifen. Zum eigentlichen Kaufpreis gesellen sich schnell mehrere tausend Euro für Notargebühren oder die Grunderwerbssteuer hinzu. Auch die Fördermaßnahmen für Wohneigentum haben sich auf ein Minimum reduziert. Wurden bis 2006 Eigenheim- sowie Kinderzulagen bis zu einer gewissen Einkommensgrenze angeboten, erklärt sich der Bund heute nur noch zu einer Vergabe preiswerter Kredite oder Wohnriesterangeboten bereit. Keine guten Voraussetzungen, um sich den Traum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen.

Gegenläufige Tendenzen

Wird sich an dieser Situation zukünftig etwas ändern? Vermutlich nicht. Denn finanzielle Unterstützungen wie verbesserte Kreditbedingungen für junge Familien oder bundesweite Reduzierungen der Grunderwerbsteuer werden bisher nur diskutiert. Aktuell herrschen auf dem hiesigen Immobilienmarkt zwei Tendenzen, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Einerseits sprechen die Inflationsangst sowie das Interesse nach sicheren Geldanlagen das Interesse an Wohneigentum. Diesem Trend steht jedoch der stetige Neubau von Mietwohnungen für Zuwanderer und Flüchtlinge gegenüber.